SO 17.02.2019 18 Uhr Erbdrostenhof Salzstraße 38 | Münster

 
»Ad astra«

JeungBeum Sohn Klavier

Das „Wohltemperierte Klavier“ schrieb Bach „zum Nutzen und Gebrauch der lehrbegierigen musikalischen Jugend, als auch zu derer in diesem Studio schon habil Seienden besonderem Zeitvertreib“. Ein „besonderer Zeitvertreib“ ist das Präludium BWV 855 gewiss für JeungBeum Sohn, der seine „Habilitation“ spätestens 2017 bewies, als er mit dem internationalen ARD-Wettbewerb einen der weltweit renommiertesten Wettbewerbe gewann.
In Tschaikowskis „Dumka“ malt Sohn eine russische Herbstlandschaft und bereitet auf Beethovens letzte Sonate vor, das zweisätzige Opus 111 mit seinem großen Dualismus von Dunkel und Licht. Dem düster-schroffen Allegro in der „Schicksalstonart“ c-Moll folgt ein strahlend singendes C-Dur-Adagio freier Variationen: Gnade, Transzendenz? „Per aspera ad astra“? Ekstase und Exzentrik bei Skrjabin, über den seine Tochter schrieb: „Für ihn existierte kein Ich oder Nicht-Ich mehr. Im schöpferischen Akt war er alles, war er Gott“. Seiner einsätzigen Klaviersonate stellte er die Verse aus seinem „Poème de l’extase“ voran: „Ich rufe euch ins Leben, oh ihr mysteriösen Kräfte / Versunken in den undurchsichtigen Tiefen / Des Geistes, der erschafft, furchtsame / Vorstufen des Lebens, Euch verleihe ich Kühnheit.“ Einsätzig, darin vierteilig, auch Liszts h-Moll-Sonate, eins der bedeutendsten und technisch anspruchsvollsten Klavierwerke der Romantik. Dramatik, klangliche Wucht und Freiheit wie in einer Improvisation. An Liszt scheiden sich die Geister: Glamour und Show – oder Poesie, Tiefe, Inspiration?
JeungBeum Sohn verspricht letzteres. Sein Spiel ist kühn und kraftvoll, natürlich und packend. Der Südkoreaner macht sein Konzertexamen bei Prof. Arnulf von Arnim an der Musikhochschule Münster.

PROGRAMM
Johann Sebastian Bach (1685–1750): Wohltemperiertes Klavier: Buch 1, Präludium Nr. 10 e-Moll BWV 855
Pjotr I. Tschaikowski (1840–1893): Dumka op. 59
Ludwig van Beethoven (1770–1827): Sonate Nr. 32 c-Moll op. 111
Alexander Skrjabin (1872–1915): Sonate Nr. 5
Franz Liszt (1811–1886): Sonate h-Moll S. 178