SO 04.02.2018 18 Uhr ERBDROSTENHOF Salzstraße 38 | 48143 Münster

 
»ENERGICO«

Bloch Ensemble

Byol Kang und Sarah Christian Violine
Lena Eckels
Viola Anastasia Kobekina Violoncello
Burak Marlali
Kontrabass Boris Kusnezow Klavier

Schiere Begeisterung für die Werke dieses Abends sowie der Wunsch, sich das, was sie zutiefst ergreift, zu eigen zu machen und mit anderen zu teilen: deshalb schlossen sich die sechs Preisträger renommierter internationaler Wettbewerbe – Lena Eckels bekam zudem den GWK-Preis – zum Bloch Ensemble zusammen. Zwei monumentale, kaum je zu erlebende Werke der Kammermusik haben die Virtuosen auf dem Programm.

Für viele Insider ist er das vierte „B.“ nach Bach, Beethoven und Brahms, der Schweizer Ernest Bloch, der 1924 amerikanischer Staatsbürger wurde. „Ich schreibe ohne Rücksicht darauf, die sog. ‚Ultramodernen‘ oder die sogenannten ‚Altmodischen‘ zufrieden zu stellen“, bemerkte Bloch über sein Klavierquintett (1921–23). Im Willen zum authentischen Ausdruck widersetzte er sich jeder Dogmatik. An zahlreiche Techniken und Stile anknüpfend, war Bloch um eine autonome jüdische Musik bemüht und begründete mit seinen Werken im „hebräischen Ton“ die „neujüdische Musik“ in den USA. In seinem Klavierquintett gelingt es ihm durch den gezielten Einsatz von Vierteltönen zusätzlich zu den westlichen Intervallen, die Emotionen fast bis zum Zerreißen zu spannen. Extreme Stimmungen wechseln einander ab. Meditative, melancholische oder wilde Passagen, primitive Leidenschaft und Noblesse, Zartheit, Zärtlichkeit – schlussendlich Frieden und Erlösung in C-Dur.

Höchst expressiv und dramatisch auch Felix Weingartners Sextett (1904). Der prominente Dirigent, Klaviersolist, Pädagoge, Musikschriftsteller – u.a. wurden unter ihm die Wiener Philharmoniker weltberühmt – wurde als Komponist totgeschwiegen. Doch heute werden seine Werke wiederentdeckt. Gebrochen düster sein Sextett, mit himmlischen Aufstiegen und schwelgenden Akkorden, paradiesischen Augenblicken. Opulenz des Klangs bei hochgespannter Emotionalität. Bedrohlich-diabolisch die „anfangs jähzornig emporschießende Chromatik, die sich als roter Faden durch alle vier Sätze zieht“ (E. van den Hoogen). Die Idylle ist ambivalent, das Scherzo wohl nur ein vermeintliches: als wollte ein Caféhausgeiger den Absturz aufhalten, tändelnd, tänzelnd, tanzend, Walzer und Schmäh; energischer, insistierend dann alle Sechse zusammen. Sind Gelingen und Glück reale Möglichkeiten oder nur ewig unerfüllbarer Anspruch?

PROGRAMM
Ernest Bloch (1880–1959): Klavierquintett Nr. 1
Felix Weingartner (1863–1942): Sextett e-Moll op. 33
für Klavier, 2 Violinen, Viola, Violoncello und Kontrabass